So. Heute hatte ich die zweite und letzte Prüfung zur LPIC-1 Zertifizierung. Leider hatte ich den Termin etwas vergessen und bin quasi ohne Vorbereitung in die Prüfung. Ich kann nur jedem raten, dies nicht nachzumachen. Glücklicherweise habe ich dennoch bestanden. Also, die Prüfung bestand aus folgenden Teilen:
Kernel:
Viele Fragen zu Modulen, Parametern und Pfaden. Unbedingt auch die älteren Kernel (2.2 und 2.4) anschauen, da einige Fragen dazu auftauchen. Auch sollte man das Auswerten der Kernelmeldungen während der Startphase beherrschen.
Bootvorgang, Initialisierung und Runlevel:
Einige Fragen zum sysV-Init, inittab oder Fragen zum Ablauf des Bootvorgangs. Man sollte sich in der Vorbereitung auf jeden Fall mit dem internem Aufbau des INIT-Systems beschäftigen. Dazu kommen Dinge, wie default-Runlevel oder wie man das System in einen Wartungsmodus versetzen kann. Da hier ziemlich viele Fragen auftauchen, sollte man dieses Thema beherrschen.
Drucken:
Hierzu kann ich leider nicht viel sagen. Nur, befasst euch auf jeden Fall mit cups, ghostscript und der Verwendung der Druckerfilter. Dieses Gebiet war und ist meine größte Schwäche.
Dokumentation:
Interner Aufbau der Manpages, Quellen im Internet, Befehle zum Aufruf der Hilfeseiten aber auch viele Fragen im Stil von “Welche MAN-Kategorie enthält Informationen über XYZ”. Dieses Thema sollte man nicht unterschätzen.
Shell, Scripting, Programmieren und Kompilieren:
Bitte auf jeden Fall mit bash-scripten, awk, sed und anderen Tools beschäftigen. Hier werden sehr viele Fragen mit Eingabefeldern erscheinen.
Administrative Tätigkeiten:
Userverwaltung des Systems. Verschiedene Login-Systeme und die Konvertierung der PW-Dateien untereinander sollten bekannt sein. Denkt besonders an die Profilvorlagen und die Befehle zum anlegen, ändern und löschen von Benutzern oder Gruppen. Es erscheinen auch Fragen zum internem Aufbau der PW-Dateien.
Netzwerkgrundlagen:
Von iptables, über routing bis zur Vergabe von Adressen sollten alle grundlegenden Befehle bekannt sein. Auch sollte man wissen, wie der Netzwerkstack unter Linux arbeitet und wie iptables mit Paketen umgeht. Es kommen nur grundlegende Fragen. Bei mir erschien keine Frage nach z.B. Policyrouting oder Trafficpriorisierung.
Netzwerkdienste:
Einige Fragen zu grundlegenden Diensten wie SSH, Telnet, FTP oder HTTP. Auch sollte man die Funktionsweise des TCP/Wrappers kennen und mit Diensten wie inetd umgehen können. Dazu sollte man zumindest die Position der Konfigurationsdateien im Dateisystem kennen. Wie man Apache konfiguriert muss man nicht wissen, dass man ihn nicht zweimal auf dem selben Port einer Adresse (KEINE VHOSTS) starten kann, schon.
Sicherheit:
Viele viele Fragen zu Dateirechten, Defaulteinstellungen und anderen Dingen. Ich konnte die Fragen aus dem Bereich “Benutzerverwaltung” nicht von den Fragen zum Thema “Sicherheit” auseinanderhalten. Auf jeden Fall sollte man mit Dateirechten klarkommen und die Berechtigungen der wichtigsten Dateien/Ordner kennen (zb. /etc/passwd).
Fazit:
Ich möchte noch sagen, dass manche Fragen sehr schlecht gestellt sind und teilweise mehrere Befehle in Frage kommen. So wurde ich gefragt, wie ich die Konfiguration des NFS-Dienstes neu einlesen kann. Gefragt wurde nach einem Befehl. Da mit aber mehrere Möglichkeiten einfallen, besteht nur eine relativ geringe Chance solche Fragen richtig zu beantworten. Auch wird manchmal nach Pfaden z.B. des Kernels gefragt, ohne eine Version anzugeben. Nun hat man eine 50/50 Chance indem man den richtigen Pfad für Kernel 2.4 oder 2.6 angibt. Teilweise bestehen solche Fragen nur aus einem Satz. z.B. Mit welchem Befehl drucken Sie die Mailwarteschlange? Öhm, drucken auf dem Drucker oder auf dem Bildschirm? Besser ist es doch zu fragen, wie man die Mailwarteschlange am Drucker ausgibt. Also, aufpassen, manche Fragen können nicht sicher richtig beantwortet werden. In der Summe allerdings, ist der Test ganz Ordentlich und für jeden, der sich auf dem System auskennt, ohne Vorbereitung zu schaffen.