DNS-Umleitung bei großen Providern – Zensur oder Zielgruppenwerbung?

Seit einiger Zeit leiten einige Provider DNS-Anfragen für nicht existente Domains auf ihre eigenen Suchportale um. Das witzige daran ist, wer nun versucht einen anderen DNS-Server einzutragen, wird (zum Beispiel) als Telekom-Kunde gezwungen auch deren Server zu verwenden. Wie das geht? Nun, der Provider kann einfach am Gateway alle Anfragen zu Port 53 an die eigenen DNS-Server umleiten. Nun ist es völlig egal welche Nameserver man auf seinem System konfiguriert. Für mich ist das der Anfang eines auf die Bedürfnisse des Providers zugeschnittenen Internets und hat nichts mehr mit freiem Zugang zu Medien zu tun. Diese Umleitung ist, etwas übertrieben gesprochen, der Anfang einer Zensur durch den Provider. Würde dieser hier, wie es zum Beispiel das OpenDNS Projekt anbietet, dem Nutzer ermöglichen selbst zu entscheiden, ob umgeleitet oder gesperrt weden soll, ließe sich hier ein Filter für besorgte Eltern, Schulen oder Firmen auf DNS-Basis einbauen. Unter gewissen Umständen ist die Sperrung bestimmter Seiten auch tatsächlich gerechtfertigt.

Aber nun zurück zur DNS-Umleitung. Normalerweise antworten DNS-Server, wenn ein DNS-Name nicht existiert, mit “NXDOMAIN”. Das steht für Non Existent Domain und sagt dem DNS-Client, diese Domain existiert nicht. Der Webbrowser zeigt hier eine Fehlermeldung “Server nicht gefunden” oder, wenn der Benutzer es wünscht, eine Suchseite wie Yahoo oder Bing an. Provider mit dieser Umleitung antworten hier mit den IP-Adressen des eigenen Suchportals, der Webbrowser öffnet mit der Anfrage “Gib mit startseite domain.de” eine Verbindung zu diesen IP-Adressen und verarbeitet die Antwort.

Das interessante daran ist, der Provider weiß dann, User Max Müller, aus Berlin hat am 01.01.2001 um 22:13 Uhr Domain xyz gesucht. Da der Provider ja auch über die Anschrift des Nutzers in seiner Datenbank verfügt, lassen sich aus den Protokollen des Suchseiten-Servers diverse Daten ableiten. Dies kann man nun dazu nutzen, Werbung für eine bestimmte Zielgruppen auf Basis der Kundendaten zu schalten. In der realen Welt würde das mit personenbezogener Werbung in Schaufenstern gleichkommen. Istdas nicht schön wenn man so an 20 Schaufenstern vorbeiläuft und jedes einzelne Hallo Herr xy, sie haben doch neulich … gesucht. Wir haben für Sie …. Mit einem rfid-Tag in Produkten und Leseschleifen vor dem Laden könnte der Ladenbesitzer aus der Kundendatenbank die Daten des Käufers laden und genau so etwas realisieren. Würde er allerdings so etwas machen, würden sich alle Datenschützer aufregen. Komischerweise darf es im Internet ohne Probleme so ablaufen.

Ob große Provider solche Methoden anwenden, ist nicht ganz klar. Um das zu prüfen, müssten möglichst viele Menschen unterschiedlicher Ziel-/Altersgruppen absichtlich exakt die gleichen falschen Domains eingeben und die Ausgabe der Providersuchseite auswerten. Sind hier Muster erkennbar, die auf Zielgruppenwerbung schließen lassen, verwendet der Provider auf jeden Fall Daten aus der Kundendatenbank für die Suchseiten. Ist die Suchseite allerdings bei jedem gleich oder ähnlich, würde das gegen eine solche Verwendung sprechen.

Wie kann man das aber verhindern? Nun, da alle Anfragen an Port 53 auf die DNS-Server des Anbieters umgeleitet werden, muss ein alternativer DNS-Server mit einem nicht Standard Port verwendet werden. Ein sehr guter Anlaufpunkt für genau diese Probleme ist die deutsche Privacy Foundation. Diese betreibt neben Tor Endpoints auch eigene, unmodifizierte Nameserver auf alternativen Ports.

Wie lange das allerdings noch klappt ist fraglich. Theoretisch könnte der Anbieter mit einem L7 Filter alle DNS-Anfragen umleiten. Hier hilft dann wirklich nur noch ein verschlüsselter Tunnel.

Weitere Links zum Thema:
Artikel bei Heise Netze
Artikel über Internetzensur des Chaos Computer Club

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