LPIC-2 Zertifiziert!

Mit dem bestehen der LPI-202, die ich auf den Chemnitzer Linuxtagen abgeschlossen habe, bin ich nun nach LPIC-2 Zertifiziert.

Ich kann nur jedem Empfehlen sich in allen Bereichen der Exam Objectives sehr intensiv vorzubereiten. Teilweise werden in den Fragen selbst Groß/Kleinschreibung bei den Parametern sehr wichtig.

Meister-BAföG – Sehr lange Bearbeitungszeit und viel Ärger

So kennt man das ja von deutschen Behörden. Mehrere Monate Bearbeitungszeit und dann kommt ein Brief “Bitte reichen Sie uns Unterlage XY nach”. So ähnlich geht es mir im Moment mit meinem Meister-BAföG Antrag für eine nebenberufliche Weiterbildung bei der IHK. Der Witz an der Sache, der Antrag kann erst nach Kursbeginn eingereicht werden und erst nach Genehmigung/Bearbeitung kann der Kredit für die Finanzierung beantragt werden. Die IHK schreibt allerdings die erste Rechnung noch bevor eine einzige Unterrichtsstunde stattgefunden hat. Kurz darauf die Rechnung für die erste Prüfung. Wer nicht “mal schnell” 1800,-EUR liegen hat, kann die Weiterbildung eigentlich nicht ablegen.

Die Werbung der IHK beschreibt in etwa folgendes:

Finanzierungsunterstützung über Meister-BAföG und für die Restsumme ein günstiger Kredit der KfW-Bank – nach abgeschlossener Weiterbildung zahlen Sie die Finanzierung bequem in Monatlichen Raten ab.

Aber nirgends ist die Rede, dass der erste und zweite Teil der Rechnung aufgrund des trägen Amtsschimmels selbst vorfinanziert werden muss. Vorher wird quasi alles versprochen und nach 4 Wochen kommt jede Woche ein neuer Hammer. Zuerst vom BAföG-Amt, “Bearbeitungszeit 3-6 Monate”, dann von der IHK “Rechnung Teil1, Zahlung sofort, Rechnungsdatum vor 5 Tagen” und dann gleich nochmal von der IHK “Prüfungsgebühr für ihre Prüfung in 5 Monaten – zahlbar in 14 Tagen”.

Richtig müsste es aber heißen:

Haben Sie genug Geld? Dann machen Sie doch eine Weiterbildung bei uns und holen sich die Kosten teilweise nachträglich über Förderung wieder. Kein Geld zur Hand? Pech gehabt. Bildung nur für Geld. Viel Geld.

Naja, einmal angefangen sind auf jeden Fall der erste Teilbetrag und die Prüfungsgebühren fällig. Leicht verdientes Geld wenn die ersten Teilnehmer bis zur Auszahlung des BAföG verhungert oder in Privatinsolvenz gegangen sind, weil das eigene Finanzierungskonzept auf dem versprochenem Kredit und dem Fördergeld aufbaut.

So, abschließend noch Grüße nach Weimar und Erfurt. Hoffentlich ist dies eine Warnung an andere die sich bei ihrer Weiterbildung auf leere Versprechungen, Finanzierungsangebote und Ämter verlassen möchten. Wer das Geld selbst aufbringt, spart sich viele viele graue Haare, Zeit, Nerven und Ärger.

LPIC-201 in schriftlicher Form bestanden

Jedes Jahr bietet das LPI auf diversen Linuxtagen die Möglichkeit, die Prüfungen in Papierform abzulegen. So auch dieses Jahr wieder in Chemnitz. Die Kosten sind stark reduziert, im Vergleich zu einem Prometric oder Vue Testcenter werden hier nur 75,-EUR für die Prüfungen 101, 102, 201 und 202 verlangt. Der Ablauf ist ähnlich dem im Testcenter. Man betritt den Saal, zahlt die Gebüren und erhält einen versiegelten Umschlag mit den Prüfungsunterlagen. Dann folgt eine Einweisung über die Geheimhaltung der Fragen und die obligatorische “Handy-Aus” Warnung. Nun darf der Umschlag geöffnet werden. Anschließend noch seine LPI-ID, Namen usw. ausfüllen und mit der Beantwortung der Fragen beginnen. Ich persönlich fand die Schriftliche Form der Prüfung schwieriger als im Testcenter. Man muss sehr aufpassen auf dem Lösungsblatt nicht in der Zeile zu verrutschen oder gar Fragen zu vergessen. Im Testcenter hat man ja eine “Remember”-Funktion für einzelne Fragen ;-) . Auch fallen die Antwortzeilen bei einigen Fragen, gerade wenn man Parameter mit angeben muss, etwas knapp aus. “pvremove /dev/sda3″ passt unmöglich in das Lösungsfeld. Schreibt man über das Feld hinaus, ist das Lösungsblatt ungültig. Nachdem alle Fragen beantwortet wurden, füllt man noch die Geheimhaltung aus, steckt alle Unterlagen wieder in den Umschlag, versiegelt diesen und gibt alles wieder ab. Nun dauert es ca. 3 Wochen bis die Ergebnisse im LPI Kandidatenbereich angezeigt werden. Zusätzlich erhält man natürlich eine EMail mit den Prüfungsergebnissen.

Für alle, die eine der LPIC-Prüfungen in schriftlicher Form ablegen wollen, kann ich nur den Tipp geben, ihr müsst absolut sicher in allen geforderten Bereichen sein. Mindestens 60% aller Fragen fordern die Lösung in Textfeldern, wovon 40% in absoluten Pfaden mit Parametern angegeben werden müssen. Hier hilft nur können. Mit 2-4 Jahren Erfahrung in der Administration von Linux-Systemen und einer Vorbereitung von ca. 2 Wochen sollte die Prüfung allerdings kein Problem darstellen. Außer man verwendet Gentoo, wie ich.

LPIC-1 Prüfung 102 bestanden – eine kurze Zusammenfassung

So. Heute hatte ich die zweite und letzte Prüfung zur LPIC-1 Zertifizierung.  Leider hatte ich den Termin etwas vergessen und bin quasi ohne Vorbereitung in die Prüfung. Ich kann nur jedem raten, dies nicht nachzumachen. Glücklicherweise habe ich dennoch bestanden. Also, die Prüfung bestand aus folgenden Teilen:

Kernel:
Viele Fragen zu Modulen, Parametern und Pfaden. Unbedingt auch die älteren Kernel (2.2 und 2.4) anschauen, da einige Fragen dazu auftauchen. Auch sollte man das Auswerten der Kernelmeldungen während der Startphase beherrschen.

Bootvorgang, Initialisierung und Runlevel:
Einige Fragen zum sysV-Init, inittab oder Fragen zum Ablauf des Bootvorgangs. Man sollte sich in der Vorbereitung auf jeden Fall mit dem internem Aufbau des INIT-Systems beschäftigen. Dazu kommen Dinge, wie default-Runlevel oder wie man das System in einen Wartungsmodus versetzen kann. Da hier ziemlich viele Fragen auftauchen, sollte man dieses Thema beherrschen.

Drucken:
Hierzu kann ich leider nicht viel sagen. Nur, befasst euch auf jeden Fall mit cups, ghostscript und der Verwendung der Druckerfilter. Dieses Gebiet war und ist meine größte Schwäche.

Dokumentation:
Interner Aufbau der Manpages, Quellen im Internet, Befehle zum Aufruf der Hilfeseiten aber auch viele Fragen im Stil von “Welche MAN-Kategorie enthält Informationen über XYZ”. Dieses Thema sollte man nicht unterschätzen.

Shell, Scripting, Programmieren und Kompilieren:
Bitte auf jeden Fall mit bash-scripten, awk, sed und anderen Tools beschäftigen. Hier werden sehr viele Fragen mit Eingabefeldern erscheinen.

Administrative Tätigkeiten:
Userverwaltung des Systems. Verschiedene Login-Systeme und die Konvertierung der PW-Dateien untereinander sollten bekannt sein. Denkt besonders an die Profilvorlagen und die Befehle zum anlegen, ändern und löschen von Benutzern oder Gruppen. Es erscheinen auch Fragen zum internem Aufbau der PW-Dateien.

Netzwerkgrundlagen:
Von iptables, über routing bis zur Vergabe von Adressen sollten alle grundlegenden Befehle bekannt sein. Auch sollte man wissen, wie der Netzwerkstack unter Linux arbeitet und wie iptables mit Paketen umgeht. Es kommen nur grundlegende Fragen. Bei mir erschien keine Frage nach z.B. Policyrouting oder Trafficpriorisierung.

Netzwerkdienste:
Einige Fragen zu grundlegenden Diensten wie SSH, Telnet, FTP oder HTTP. Auch sollte man die Funktionsweise des TCP/Wrappers kennen und mit Diensten wie inetd umgehen können. Dazu sollte man zumindest die Position der Konfigurationsdateien im Dateisystem kennen. Wie man Apache konfiguriert muss man nicht wissen, dass man ihn nicht zweimal auf dem selben Port einer Adresse (KEINE VHOSTS) starten kann, schon.

Sicherheit:
Viele viele Fragen zu Dateirechten, Defaulteinstellungen und anderen Dingen. Ich konnte die Fragen aus dem Bereich “Benutzerverwaltung” nicht von den Fragen zum Thema “Sicherheit” auseinanderhalten. Auf jeden Fall sollte man mit Dateirechten klarkommen und die Berechtigungen der wichtigsten Dateien/Ordner kennen (zb. /etc/passwd).

Fazit:
Ich möchte noch sagen, dass manche Fragen sehr schlecht gestellt sind und teilweise mehrere Befehle in Frage kommen. So wurde ich gefragt, wie ich die Konfiguration des NFS-Dienstes neu einlesen kann. Gefragt wurde nach einem Befehl. Da mit aber mehrere Möglichkeiten einfallen, besteht nur eine relativ geringe Chance solche Fragen richtig zu beantworten. Auch wird manchmal nach Pfaden z.B. des Kernels gefragt, ohne eine Version anzugeben. Nun hat man eine 50/50 Chance indem man den richtigen Pfad für Kernel 2.4 oder 2.6 angibt. Teilweise bestehen solche Fragen nur aus einem Satz. z.B. Mit welchem Befehl drucken Sie die Mailwarteschlange? Öhm, drucken auf dem Drucker oder auf dem Bildschirm? Besser ist es doch zu fragen, wie man die Mailwarteschlange am Drucker ausgibt. Also, aufpassen, manche Fragen können nicht sicher richtig beantwortet werden. In der Summe allerdings, ist der Test ganz Ordentlich und für jeden, der sich auf dem System auskennt, ohne Vorbereitung zu schaffen.